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Grundsatz 4
Unterricht öffnen

Das Spektrum von Mitentscheidungsmöglichkeiten der Schüler*innen in geöffneten Unterrichtsformen reicht von festgelegten Aufgaben mit freier Wahl der Reihenfolge bis zu Lektionen, in denen die Schüler*innen den Inhalt sowie die Mittel ihrer Arbeit selbst bestimmen können (Dumke et al., 1991). Unter Öffnung des Unterrichts sind drei Merkmale bedeutend: Selbst- und Mitbestimmung, Aktivierung der Schüler*innen und Unterrichtsmethodik (Textor, 2018).

 

Offene Formen des Unterrichts

  • Stationslernen:

Innerhalb oder ausserhalb des Klassenzimmers stehen mehrere verschiedene, ortsfeste Lernstationen zu einem Thema für die Schüler*innen bereit. An diesen Lernstationen befinden sich jeweils die Aufgabenstellung und das benötigte Arbeitsmaterial, wobei möglichst unterschiedliche Lerntypen und Repräsentationsebenen angesprochen werden. Bei den Lernstationen werden Pflicht- und Wahlstationen unterschieden und sie könnten nach Schwierigkeitsgrad gekennzeichnet werden. Bei Erledigung einer Aufgabe, wechseln die Schüler*innen zur nächsten Lernstation. (Textor, 2018).

  • Wochenplanarbeit:          

Die Schüler*innen erhalten einen schriftlichen Arbeitsplan mit Pflicht-, Wahlpflicht- und Zusatzaufgaben für eines oder mehrere Unterrichtsfächer, welche innerhalb einer bestimmten Zeit bearbeitet werden müssen. Erfolgreiche Wochenplanarbeit setzt voraus, dass die Pläne übersichtlich gestaltet sind und erkennbar ist, welche Aufgaben erledigt worden sind oder nicht. Zudem wird die Anzahl und Schwierigkeit der Aufgaben individuell angepasst, dass die Schüler*innen die Aufgaben innerhalb der vorgegebenen Zeit bearbeiten können. Arbeitsmaterialien und Hilfen stehen zur Verfügung und die verlangten Arbeitstechniken müssten die Schüler*innen bereits kennen. Zum Schluss werden die Arbeitsergebnisse selbst kontrolliert und/oder durch die Lehrperson (Textor, 2018). 

  • Werkstattarbeit

Bei der Werkstattarbeit ist das Angebot an Materialien breiter und die Aufgabenstellung offener als beim Stationenlernen. Die Arbeitsmaterialien sprechen verschiedene Sinne an und ermöglichen unterschiedliche Zugänge zum Thema, beispielsweise mit Experimenten oder künstlerischer Bearbeitung. Dabei ist es von Vorteil, wenn das Klassenzimmer in verschiedene Arbeitsecken aufgeteilt wird wie bspw. Leseecke, Malecke, Experimentierlabor, Basteltisch, Schreibecke, etc.. Zudem könnten die unterschiedlichen Aufgaben verschiedenen Schüler*innen zugeordnet werden, die dann beispielsweise am ersten Tag der Werkstattarbeit ins Thema eingeführt werden. So könnte man ihnen dann auch die Verantwortung übergeben, dass sie für die nächsten Tage als Expert*innen dieses Lernbereichs eingesetzt werden und Hilfestellungen leisten können. Ziel ist eine aktive und kreative Auseinandersetzung mit Aufgaben und Problemstellungen sowie selbständige Planung, wodurch die Entwicklung der Lernstrategien gefördert wird (Textor, 2018).

  • Freiarbeit

Freiarbeit ist im Vergleich zu allen anderen offenen Unterrichtsformen die am stärksten geöffnete Form. Sie findet in der Regel ergänzend zum Unterricht statt während zwei oder mehr Unterrichtsstunden pro Woche oder nach Bedarf. Die Schüler*innen können auf verschiedenen Niveaus vorhandene und selber mitgebrachte Materialien für ihre eigenen Lernziele nutzen und den Lernprozess weitestgehend selbst übernehmen, um beispielsweise ein eigenes längerfristiges Projekt zu planen und durchzuführen. Dabei könnte man die Schüler*innen dazu motivieren einen eigenen Arbeitsplan zu erstellen (Textor, 2018).

  • Projektarbeit

Projektarbeit ist eine Form von selbständigem, handlungsorientierten Lernen in arbeitsteiligen Kleingruppen bei der ein „echtes Problem“ (Hänsel, 1999, S. S. 75) zu lösen versucht wird. Die Projekte sind meist interdisziplinär, lebensweltorientiert, gesellschaftlich relevant und auf die Interessen der Schüler*innen bezogen. Zudem fördern sie die Selbstverantwortung, Kooperation und soziales Lernen (Hänsel, 1999, S. 75f.). Die Projektarbeit wird in vier Phasen aufgeteilt: Planung, Durchführung, Präsentation und Auswertung (Bönsch, 2002, S. 200).

Literatur

Bönsch, M. (2002). Die Modellierung von individuellen und kooperativen Lernwegen. In M. Bönsch (Hrsg.), Selbstgesteuertes Lernen in der Schule. Praxisbeispiele aus unterschiedlichen Schulformen (S. 147-206). Neuwied: Luchterhand.

 

Dumke, D., Kellner, M. & Kranenburg, M. (1991). Unterrichtsorganisation in Integrationsklassen. In D. Dumke (Hrsg.), Integrativer Unterricht. Gemeinsames Lernen von Behinderten und Nichtbehinderten (S. 109-160). Weinheim: Deutscher Studien Verlag.

Hänsel, D. (1999). Projektmethode und Projektunterricht. In D. Hänsel (Hrsg.), Projektunterricht. Ein praxisorientiertes Handbuch (S. 54-92). Weinheim: Beltz.

Textor, A. (2018). Einführung in die Inklusionspädagogik. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.

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